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Das Buch

"Im Dschungel der Städte, in den Bergen Kurdistans" - Leben und Kampf von Andrea Wolf
Briefe, Texte, Tagebuchnotizen, Reden, Erinnerungen, Lieder, Collagen und Fotos - von, für und über Andrea Wolf
164 Seitem, Paperback, Quadformat 19x23cm, Euro 7,50
Bestellungen an: versand (at) libertad.de
siehe auch:
Im Dschungel der Städte, in den Bergen Kurdistans
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Inhaftierte JournalistInnen: Wir sind das Gewissen der Öffentlichkeit gegen die Herrschaft
Istanbul - Die in Kandıra und Bakırköy inhaftierten 36 MitarbeiterInnen der freien Presse haben sich mit einem Brief an ihre KollegInnen gewandt. Die JournalistInnen haben in ihrem Brief unter der Überschrift „Warum gerieten wir ins Fadenkreuz?" einen Aufruf verfasst: „Auf diesem Weg rufen wir alle KollegInnen auf, lasst uns nicht vergessen, dass wir als JournalistInnen das öffentliche Gewissen gegen die Herrschaft darstellen... Wir erwarten, dass ihr eure Stimmen den unseren hinzufügt, bevor dieses Feuer auch euch verbrennt."
Am 20. Dezember 2011 wurden unter Berufung auf „KCK" bei den Zeitungen „Özgür Gündem" (Freie Tagesordnung) und „Azadiya Welat" (Freiheit des Heimatlandes), der Nachrichtenagenturen DIHA und ANF, der Agentur „Etik" (Ethik), dem Verlag „Gün" (Tag) und der Zeitschrift "Demokratik Modernite" (Demokratische Modernisierung) zeitgleich ein Razzia durchgeführt. Bei den in Wohnungen und Büros durchgeführten Razzien wurden 49 MitarbeiterInnen der Presse festgenommen, von denen 36 Personen in Untersuchungshaft genommen wurden. Den Festnahmen folgten Reaktionen aus unterschiedlichen Kreisen. Die im Kandıra 1 und 2 F-Typ und im Bakırköy Frauengefängnis einsitzenden 36 Pressetätigen schickten an alle BerufskollegInnen einen Brief: „Warum gerieten wir ins Fadenkreuz?"
Die JournalistInnen schreiben in diesem Brief, den sie mit „die Gefangenen Werktätigen der freien Presse" unterschrieben haben: „Erinnert euch das Datum 20. Dezember 2011 an etwas? An dem Tag wurde zeitgleich um 5 Uhr in Diyarbakır und Istanbul und in anderen Städten an die Tür dutzender JournalistInnen geklopft."
„Die Eindringlinge kannten uns gut und wir sie... Wir kennen sie als die, die mitten auf der Straße adressierte und nicht adressierte Kugeln abfeuern, die vor den Kameras dreist Arme brechen, die bei Durchführung ihrer Gebote ohne Rücksicht auf Frauen und Kinder Leben in Finsternis stoßen; wir kennen sie aufgrund der dunklen Geschichte der Türkei der letzten 30 bzw. 80 Jahre... Wir kennen sie als die Durchführenden der Kurdenjagd der letzten 3 Jahre, die u. a. hauptsächlich Rechtsanwälte, Politiker, Gewählte, Menschenrechtsverteidiger, Frauen nach dem Motto ‚außer einem Getöteten ist ein guter Kurde ein gefangener Kurde‘ festnehmen. Sie wiederum kennen uns als die Nachfolger von Musa Anter, Gurbetelli Ersöz, Nazım Babaoğlu, Yahya Orhan, Metin Göktepe und Dutzenden weiteren Märtyrern der Presse.
Mit der Aussage ‚Nichts wird im Verborgenen bleiben‘ haben wir die im finsteren Handelnden der dunklen Geschichte enttarnt. Wir sind die Stimme der Identität, der Kultur und der Sprache eines Volkes geworden... Im Gegenteil zu den Sensationsreportern verstecken wir uns bei politischen Aktionen nicht hinter der Polizei und beziehen uns nicht auf die Polizeireporter sondern auf das Volk...
Wir haben an den Grenzen mit den Müttern genächtigt, die sich für den Frieden einsetzen; wir waren bei denen, die die verstümmelten Leichen in den Bergen einsammelten; wir waren die Trauergesänge der Mütter, die in den Sammelgräbern die Knochen ihrer Verschwundenen suchten... Wir haben den Staat angeprangert, der in Besta, in Zap, in Tatvan und im Kazantal chemische Waffen eingesetzt und somit Kriegsverbrechen verübt hat...
Wir waren die Stimmen der Werktätigen, die für einen Mindestlohn und das Recht auf Gewerkschaftstätigkeit auf die Straßen gingen; die Stimmen der Akademiker, die im Gegensatz zu denen, die beteuern ‚es wird an uns vorbeiziehen‘, sagen, dass ‚wir ärmer werden und unser Lebensstandard sinkt... Wir waren bei den Dorfbewohnern des Schwarzmeeres, die dagegen waren die Natur zu zerstören und den Konzernen Geschenke zu machen, die sagen ‚ich werde mein Land nicht für Hydroenergiezentralen hergeben‘...
Wir waren der Aufschrei der Frauen gegen die patriarchalische Auffassung der Predigt zu ‚drei Kindern‘, die zu Frauenmassakern führten... Wir waren bei den Bauern, denen kontingentweise ihr Boden entzogen wurde, denen das Pflügen und Ernten der Felder verboten wurde, die zum Hungern verurteilt wurden...
Gestern wurden wir bombardiert, getötet; heute werden wir ‚angeklagt‘ und verhaftet... Wir hatten das Spiel durchschaut... Der 1. Akt des Schauspiels, dessen Drehbuch vom Premierminister und dem Innenminister verfasst worden war, wurde 72 Stunden auf der Wache aufgeführt. Wir sind ‚eingeladen‘ worden nicht zu Gesprächen zum Recht, sondern zu Gesprächen der Ordensgemeinschaft im Sinne der Rechtsansichten der AKP. Bei diesen ‚Einladungen‘ sind wir zum ‚Komitee‘ eines ‚aufgeblasenen Schemas‘ ausgerufen worden und wurden genötigt. Der 2. Akt dieser Tragikomödie wurde im Gericht weitergeführt. Wir wurden von beauftragten Staatsanwälten mit inhaltslosen, aufgeblähten Akten einem ‚strikten‘ Verhör über die Nachrichtenquellen und die Berichte ausgesetzt, ohne das sie selbst Kenntnisse über die Grundlagen des Journalismus haben. Ähnlich der Frage an einen Arzt: ‚Warum hast du diesen Kranken behandelt?‘, so wurden wir gefragt: ‚Warum hast du diese Nachricht geschrieben?‘. Trotz der Publizität unserer Arbeit wurden wir unter Angabe von ‚geheimen Zeugen‘, deren Existenz nicht klar ist, kriminalisiert. Im (vorübergehend) letzten Akt wurden wir im Gericht mit dem Geständnis der Richter ‚wir haben nicht die Initiative ergriffen‘ in Untersuchungshaft genommen. Wer die Initiative ergriffen hat wurde ersichtlich, als Samanyolu TV eine halbe Stunde vor der Entscheidung die Anzahl der in Untersuchungshaft genommenen Journalisten bekannt gab. Kurz und gut: Auf Anordnung des Premierministers Erdoğan, dem ‚Terror-‘ Umfeld des ‚ruhmreichen‘ Innenministers Idris Naim Şahin, der ‚draufgängerischen‘ Jagd der Polizei der Ordensgemeinschaft und der Entscheidung des Gerichts, die nicht mehr als Marionetten sind, wurden wir an der Ausführung unserer Arbeit gehindert worden.
Die beste Antwort auf die Frage: ‚Warum ist die kurdische Presse zur Zielscheibe geworden?‘ ist die, dass die Sensationspresse 9 Stunden nach der kurdischen Presse die Nachricht vom Massaker in Roboski gebracht hat...
Aus diesem Anlass rufen wir alle Berufskollegen auf: Wir sollten nicht vergessen, dass wir als ReporterInnen das öffentliche Gewissen gegen die Herrschaft darstellen... Wir erwarten, dass ihr eure Stimmen den unseren hinzufügt, bevor dieses Feuer auch euch verbrennt.
Inhaftierte Werktätige der freien Presse“
Quelle: ANF, 06.01.2012, ISKU
Siehe auch:
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